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NaturFreunde Hessen
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Rückblick auf den 30. Bundeskongress der NaturFreunde Deutschlands

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www.flickr.com/photos/naturfreunde_deutschlands/sets/72157678584386343/

Bericht von Marianne Friemelt, hessische Delegierte

Unter dem Motto "Nachhaltigkeit solidarisch leben" fand vom 31.3. - 2.4. in Nürnberg der Bundeskongress der NaturFreunde Deutschlands statt, auf dem neben einer großen Breite von politischen Anträgen auch verbandspolitische Entscheidungen getroffen und die Mitglieder des Bundesvorstands gewählt wurden.

Die hessischen NaturFreunde waren mit dem Landesvorsitzenden und je drei männlichen und weiblichen Delegierten, zwei Ersatzmitgliedern und zwei Gästen vertreten. Sie hatten zwölf Anträge (viele davon von der Landesdelegiertenversammlung 2016) und drei Initiativanträge mitgebracht und waren damit, abgesehen vom Bundesvorstand, diejenigen, die den Kongress am stärksten mit geprägt haben.

Auf der Homepage der NaturFreunde Deutschlands lassen sich viele Reden nachlesen und Bilder und Kurzfilme betrachten, so dass ich mich in diesem Bericht auf meine persönlichen Eindrücke beschränke.

Die politische Positionierung der NaturFreunde ist makellos. Immer wieder wurde - insbesondere durch den (alten und neuen) Bundesvorsitzenden Michael Müller, aber auch durch Delegierte betont, dass unsere Gesellschaft sich in einer Umbruchsituation befindet, die ein Umsteuern erforderlich macht. Während die Ressourcen mit immer brutaleren Mitteln ausgebeutet werden, das Klima sich in exponentieller Geschwindigkeit verändert, die Verschmutzung der Umwelt rasant zunimmt und damit unsere Lebensgrundlagen ebenso rasant schwinden und die Flüchtlingsbewegungen größer werden, gibt es keinen anderen Weg, als umzusteuern, dem althergebrachten Wachstumsfetischismus Ade zu sagen und gleichzeitig zu teilen mit den Armen, sowohl in unserem Land als auch in der Welt. Um es (für mich) kurz zu sagen: Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist am Ende, und ohne einen Transformationsprozess, der soziale, ökologische und kulturelle Strukturreformen gestaltet, steuert die Menschheit auf die Katastrophe zu.

So pessimistisch sich dies anhört, so einig waren wir uns aber auch untereinander wie mit diversen Gastrednern, dass die Transformation gelingen kann, weil immer mehr Menschen ihre Notwendigkeit erkennen und sie gemeinsam einfordern. Zur Gemeinsamkeit riefen unter den Gastrednern insbesondere Prof. Dr. Klaus Dörre von der Universität Jena (Referat: Zur Zukunft moderner Gesellschaften) und der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger auf. Aber auch die anderen Geladenen (bis auf zwei Ausnahmen alles Männer) waren voll des Lobes über die Ausrichtung der NaturFreunde und gerade bei den Politikern aus CSU, SPD und Grünen konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Politik ab dem 3. April unter Garantie den Transformationsprozess in Gang setzen wird oder sogar schon lange auf diesem Weg ist.

Aber ich bin ja nicht von gestern und weiß, dass schöne Worte schnell gesprochen sind. Deshalb empfand ich die Anzahl der Gastredner, durch die die Beratungen immer wieder unterbrochen wurden, als zu hoch, und nur selten beschränkten sie sich wirklich auf ein kurzes Grußwort (das im Übrigen ja auch schriftlich abgegeben werden könnte). Am Ende blieben einige Anträge unbearbeitet und wurden an den Bundesausschuss überwiesen, und so manche/r hat es auch bedauert, so wenig von Nürnberg gesehen zu haben.

Während also die theoretische Basis der NaturFreunde an klarer Erkenntnis des Zustands der Republik und der sich daraus ergebenden Notwendigkeiten nichts zu wünschen übrig lässt, mangelt es leider wie so häufig an Ideen zur Umsetzung. So wurde ein Antrag aus Hessen, eine identitätsstiftende Kampagne zu entwickeln, mit der Begründung abgelehnt, dass es schon so viele Angebote gebe und die Ortsgruppen mit einer weiteren Kampagne überfordert würden. Aber wie soll der geforderte Transformationsprozess in die Ortsgruppen gelangen und dort in konkretes Handeln umgesetzt werden? Die Antwort auf diese Frage blieb der Kongress schuldig und ließ die Landesverbände damit faktisch allein.

Zum Stichwort "Verbandsentwicklung" wurde beschlossen, dass die Ortsgruppen auch Mitglieder der Bundesgruppe sein sollen. Außerdem wird den Ortsgruppen die Möglichkeit eröffnet, freiwillig den Beitragseinzug an die Bundesgruppe zu delegieren. Der Antrag der Bundesgruppe, ab 2022 die Beiträge um 5 Euro zu erhöhen, wurde mangels einleuchtender Argumentation des Bundeskassierers, der im Übrigen bei den politischen Diskussionen brillante Beiträge lieferte, abgelehnt.

Am letzten Tag wurde der neue Bundesvorstand gewählt, der weitgehend der alte ist. Einige bisher Aktive wurden verabschiedet, darunter Eckart Kuhlwein, der den Kongress mit diversen klugen Beiträgen gewürzt hatte. Aber so mancher wechselt nur in eine andere, weniger anstrengende Aufgabe - die Namen finden sich dann z.B. in der Schiedskommission wieder.

Was bleibt noch zu sagen? Die Unterbringung war gut, das Essen ausgezeichnet, die Stimmung in der hessischen Delegation wie auch das Rahmenprogramm an den beiden Abenden gut. Super die Idee, die Delegierten durch einen Jongleur in Bewegung zu bringen: was doch 2 Jonglierbälle auf jedem Platz für eine Heiterkeit und Freude erzeugen können! Dank an alle, die in der Organisation dieser Veranstaltung mitgearbeitet haben!