Neues aus Litauen
In Litauen gibt es mittlerweile eine Partnerorganisation der Naturfreunde Internationale, nämlich Zemaitijos Zygeiviai (Zemaitija Wanderer).Frank Gnadl, ehemaliger Vorsitzender der NaturFreunde Karben lebt nun schon einige Jahre in dem schönen Land an der Ostsee.Keine Frage für ihn, dass er dort natürlich naturfreundlich aktiv ist, zumal seine Frau Julijana die Vorsitzende der dortigen NaturFreundegruppe ist.In loser Folge veröffentlichen wir Informationen und Reisetipps von Julijana und Frank. Wer mit den litauischen NaturFreunden Kontakt aufnehmen und mehr erfahren möchte-- hier die VerbindungsdatenZemaitijos Zygeiviai (Zemaitija Wanderer)Julijana GnadlLiepu gatve 58NevarenaiLT - 88468 Telsiu raj.Tel. +370 6822 9514 (mobil)eMail: hjnh.nhfnh.nhgnhnnhanhdnhlnh@nhznhenhbnhrnhanh.nhlnhtn
02.12.2011
Neues aus Litauen
Der Biber war daran schuld!?
Zwei Mitglieder der Naturfreunde-Partnerorganisation in Litauen, der Zemaitija-Wanderer, erkundeten am 1. Okt. 2011 einen neuen Lehrpfad im Regionalpark Varniai, um eine Wanderung mit der Gruppe vorzubereiten.
Ziel- und Endpunkt des als Rundweg angelegten Lehrpfades ist ein Wanderparkplatz (mit WC!) am „Paršežeris“-See. Mit 15 km ist er für litauische Verhältnisse ungewöhnlich lang. Die Markierung ist ebenso gut wie in jedem deutschen Mittelgebirge.
Der Paršežeris-See ist 1,9 km lang, 1,1 km breit, bis 4,4 m tief und hat eine Fläche von 193 ha.
Der Lehrpfad beginnt als Holzbohlenpfad durch ein an den See grenzendes Moor. Informations-tafeln informieren über typische und seltene Pflanzen- und Tierarten.
Bei dem Dorf Resketai liegt ein historisch bedeutsamer Platz: es handelt sich um Gräber von Gefallenen des gegen die Zarenherrschaft gerichteten Aufstandes von 1863 mit dazugehörigem Denkmal.
Kurz vor dem Burgberg „Paršpilis – Burbiškis“ bekamen die beiden Wanderer nasse Füße. An einer laut Regionalparkverwaltung eigentlich nur etwas feuchten Stelle hatte sich ein Gewässer von mehreren Metern Breite gebildet, das nicht zu umgehen war. Vermutlich hatte in der Nähe ein Biber einen Damm angelegt und dadurch dieses Hindernis verursacht. Doch die beiden schnitten sich einen Stock, zogen Schuhe und Strümpfe aus, krempelten die Hosenbeine hoch und wateten hindurch. Auf dem Burghügel, auf dem sich im 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts eine Palisaden-befestigung befand, konnten sie ihre Füße wieder trocknen. In Chroniken der Kriegszüge des Deutschen Ordens wurde diese Anlage zwischen 1384 und 1404 mehrmals erwähnt.
Mit wieder trockenen Füßen kamėn die beiden noch an dem Feuchtgebiet „Bad des Riesen“ vorbei und nach Durchqueren eines prächtigen Schwarzerlenbestandes, hier wieder auf einem Bohlenweg, erreichten die beiden wieder den Ausgangspunkt. Sie freuen sich schon, im nächsten Jahr den Weg ihrer Gruppe vorstellen zu können.
Informationen unter: www.varniuparkas.lt
02.12.2011
Der Reisetipp aus Litauen
Regionalpark Birzai
Stell Dir vor, Du wachst auf und in Deinem Garten ist ein Riesenloch
Am 24. Sept. unternahmen die Zemaitija-Wanderer ihre Herbstwanderung. Diese führte in den litauischen Karst im Regionalpark Birzai. Die Beteiligung war mit 17 Personen, davon 2 Kinder, gut.
Der Regionalpark Birzai wurde 1992 eingerichtet, um die besondere typische Landschaft, seltene Tier- und Pflanzenarten und wertvolles Kulturgut zu bewahren. Und typisch für die Region ist eigentlich der Untergrund. Seine Schichten bestehen aus wasserlöslichem Kalk und Gips. Durch das Grundwasser entstehen Hohlräume, die irgendwann einmal einstürzen und entsprechende Krater in der Landschaft hinterlassen, die mal größer, mal kleiner sind. Und dies kann durchaus auch auf einem bebauten Grundstück geschehen – daher die Überschrift. Insgesamt werden etwa 6.000 solcher Einbrüche in der Region gezählt.
Der Regionalpark Birzai ist 14.569 ha groß, von denen knapp die Hälfte landwirtschaftlich genutzt werden. Knapp 3.000 ha sind Wald und 518 ha sind Gewässer.
Durch die Stadt Birzai fließen zwei Flüsse und teilen sie so in drei Teile. Das Ortsbild der Stadt wird von der katholischen und der evangelisch-reformierten Kirche sowie dem Schloss geprägt. Für das Stadtinnere nahmen sich jedoch die Wanderer keine Zeit; sie wollten raus in die Natur und die Landschaft erleben. Das taten sie dann als erstes am Sirvena-See, der künstlich angelegt wurde, um die Burg (heute das Schloss) vor Angriffen von dieser Seite zu schützen. Im See liegen 15 Inseln. Er ist bis zu 6 m tief und kann an einer schmalen Stelle auf einer 525 m langen Holzbrücke überquert werden. Dies taten dann auch die Wanderer und standen danach als erstes vor dem Schlosskomplex von Astrava. Hauptgebäude, Stall und das Haus des Hundewärters sind noch erhalten. Heute hat die Leitung einer Texstilfirma ihren Sitz dort. Mehrere Baumarten des Schlossparks stehen in Litauens rotem Buch.
Der nächste Halt wurde an einer Art Seenplatte gemacht. Dort haben sich kleine und kleinste Geländeeinbrüche mit Wasser gefüllt und so ein Labyrinth von Seen und Teichen gebildet. Andere Einbrüche sind trocken geblieben, z. B. die „Geologengrube“. Diese ist sehr jung, denn sie entstand erst 2003. Zufällig fand unmittelbar nach dem Einsturz in der Nähe ein Geologenkongress statt und die Teilnehmer/-innen konnten dann gleich Feldforschung betreiben. Ein anderer Einsturz in der Nähe wird Fuchsbau genannt, weil sich ein Fuchs dort eingerichtet hatte.
Das „Highlight“ dieser Geländeeinstürze ist jedoch die „Kuhhöhle“, so genannt, weil bei ihrer Entstehung eine Kuh in der Tiefe verschwand. Das besondere ist nicht allein die Größe des Einsturzes, sondern auch, dass in ihrem Untergrund sich ein kleines System von fünf weiteren Höhlen sowie ein unterirdischer See befindet. Der Zugang zu diesen wurde aber wieder verschlossen.
Nachdem sie ausgiebig die Natur genossen hatten, besichtigten die Wanderer noch Schloss Birzai. Erst Verteidigungsburg mit Wall und Graben, dann Wohnschloss, wurde es Anfang des 18. Jhdt. von den Schweden zerstört, lange Zeit vernachlässigt und erst im 20. Jhdt. wieder rekonstruiert. Heute beherbergt es das Regionalmuseum.
Birzai ist auch eine Bierregion, denn es gibt mehrere kleine Brauereien dort. Die Brautradition reicht bis ins 18. Jhdt. zurück. Eine dieser Brauereien (www.birzualus.lt) besuchte die Gruppe zum Abschluss. „Birzu alus“ hat 35 Beschäftigte, davon 9 in der Produktion, verkauft im Groß- und Einzelhandel auf Kommission, nimmt das nicht verkaufte Bier zurück und entsorgt es, wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Und am Wochenende wird nicht gearbeitet.
Auf der Rückfahrt brachten die Wanderer mehrere Liter dieses Bieres mit nach Hause.
11.08.2011
Der Reisetipp aus Litauen – der Regionalpark von Vistytis
Am 14. + 15. Mai 2011 waren die Zemaitija-Wanderer, litauische Partnergruppe der NFI, wieder unterwegs. Diesmal war der Regionalpark von Vistytis in der Region Suvalkija das Ziel.
Das Dörfchen Vistytis liegt in dem Drei-Länder-Eck Polen – Litauen – Russland (Kaliningrad-Gebiet) mit direkter Grenze zu letzterem. Die Grenze verläuft so über den gleichnamigen See, dass sein größter Teil zu Russland gehört.
In einem Feriengehöft mit mehreren Holzhäusern direkt am See hatte die 21-köpfige Gruppe (davon 7 Kinder) am ersten Tag Quartier genommen. Dort traf sie auch auf einen Führer der Regionalparkverwaltung, mit dem sie sich auf die erste Tour begab. Das Dorf wurde also zur ersten Station dieser Lehr- und Informationswanderung.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte Vistytis 2.468 Einwohner/-innen (1897). Dann wurde über das etwas weiter entfernte Städtchen Kybartus eine Eisenbahnlinie nach Preußen gebaut. Dadurch wanderten viele Einwohner von Vistytis dorthin ab. Schon 1923 war die Einwohnerzahl auf 1.295 gesunken. Auch im 2. Weltkrieg litt das Städtchen erheblich. Es brannte mitsamt der Kirche nieder, große Teile der Bevölkerung starben während der Kampfhandlungen, der jüdische Bevölkerungsanteil wurde ermordet und in den Nachkriegsjahren verbannte die sowjetrussische Besatzungsmacht große Teile der Bevölkerung in die nördlichen Regionen Russlands.
Bedingt durch die Nähe der zwei Grenzen gibt es dort heute nur wenige Arbeitsplätze und die Einwohnerzahl sank auf ca. 500,. Dementsprechend kam die Gruppe auch an vielen leer stehenden Häusern vorbei.
Bereits Anfang 1914 war Vistytis zu einem großen Teil abgebrannt. Kaiser Wilhelm der II., damals gerade auf der Jagd in der Romintener Heide gleich jenseits der Grenze, spendete Geld für den Wiederaufbau.
Um durch die Förderung des Tourismus Arbeitsplätze zu schaffen, wurde 1992 der Regionalpark gegründet. Hauptziel war aber natürlich, das Natur-Ökosystem und die Kulturschätze dieses Teils der Hügelkette der Suvalkija zu erhalten. Im Regionalpark liegen einige der höchsten Hügel Litauens mit bis zu 285 m Höhe.
5 Völkerschaften lebten früher hier: außer Litauern auch Polen, Juden, Deutsche und Russen. Ihr Zusammenleben war nicht immer friedlich und als 1920 polnische Freischärler und Militär das Gebiet der neu gegründeten Republik Polen einverleiben wollten, kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen.
Im älteren Teil des Friedhofes am Rande des Dorfes gibt es noch einige nach alter Handwerkskunst gefertigte schmiedeeiserne Grabkreuze. Auch an der evangelisch-lutherischen Kirche kam die Gruppe vorbei. Jetzt, wo im Dorf nur noch weniger als 10 Menschen dieser Konfession (nur 2% in ganz Litauen) leben, kommt nur noch 1x im Monat ein Pfarrer zum Gottesdienst.
Eine Windmühle, 1924 errichtet, war das nächste Ziel. Sie mahlte hauptsächlich Hanf und da es damals nur wenige Hanfmühlen im ganzen Land gab, wurde ihr Erbauer und Betreiber schnell reich. Direkt bei der Mühle befindet sich eine Gedenkstätte für die 1941 von den National-sozialisten ermordeten Juden von Vistytis. Hier legte die Gruppe eine Schweigeminute ein.
Weiter führte der Weg am Rande des Drausgiris-Waldes vorbei. Der Name bedeutet in Deutsch „Verbotener Wald“ und in der Tat war das Betreten des Waldes der Bevölkerung früher verwehrt und den Jagdherren der Region vorbehalten. Dies hatte auch Vorteile, denn dadurch gibt es dort heute noch 300-jährige Eichenhaine und 200-jährige Kiefer- und Tannenwälder. Schwarzstörche und andere seltene Tiere und Pflanzen von Litauens roter Liste sind hier anzutreffen.
Der Burghügel „Dabravole“ war das nächste Ziel. In den 70er Jahren brachten russische Wissenschaftler bei Ausgrabungen Keramik- und andere archäologische Funde aus dem 10. Jahrhundert zutage. Am Fuße des Hügelplateaux (28 x 22 m, 25 m höher als die Umgebung) wächst eine Linde, deren Stamm sich in 25 Teilstämmen verzweigt.
Durch Wiesen und an Waldrändern entlang kamen die Wanderer noch an einem kleinen Wildgehege vorbei, in dem sich Wildschweine, Widder und Rehe tummelten. Danach kehrte die Gruppe zum Quartier im Feriengehöft zurück und verbrachte dort noch zusammen einen gemütlichen Abend.
Ein kleiner Teil sah sich jedoch in Begleitung des Führers vorher noch die Grenze zum russischen Kaliningradgebiet etwas genauer an. Auf dem See ist sie durch Bojen gekennzeichnet, von denen aber nur wenige ausgelegt sind. Man darf sich ihr auf dem See nur bis auf 10 m. nähern. Am Ufer ist zunächst ein Sichtschutzzaun errichtet, der nach ca. 30 m. in einen von Betonpfosten gestützten und mit Stacheldraht bekröntem Maschendrahtzaun übergeht. Ganz direkt an den Grenzzaun gingen diese Teilnehmer aber nicht. Es fiel ihnen aber auf, dass von litauischer Seite nur wenig auf sie hingewiesen wird und auch, dass sie von dieser Seite aus gut im Auge behalten wird, denn eine Streife der nahe gelegenen Grenzschutzstelle sah sich die Touristen etwas näher an.
Am zweiten Tag unternahm die Gruppe, diesmal ohne Führer, eine Wanderung auf dem 7 km langen Silelis-Lehrpfad. Auf diesem waren zahlreiche natürliche und kulturelle Besonderheiten durch Informationstafeln erläutert: sehr sandhaltige Steilhänge, Beispiele für die Baumkrankheit „Hexenbesen“ eine über 30m hohe Tanne, eine heilige Quelle mit angeblicher Heilkraft, ein ehemaliger alter deutscher Friedhof (nur noch wenige schmiedeeiserne Kreuze sind vorhanden), ein Hügel mit 3-Seen-Blick, ein Steilhang, an dem im Winter Abfahrts-Ski ausgeübt wird (mit Lift!) und andere interessante Details. Bedeutend für die regionale Geschichte ist auch das Geburtshaus von Petras Mikolainis, einem der bekanntesten Bücherschmuggler, als Druckwerke in litauischer Sprache verboten waren (1864 – 1905). An den Resten des Hauses, an dem die Gruppe ebenfalls vorüberkam, wurde eine Erinnerungsplakette angebracht.
Die hügelige Landschaft ist hier mit steileren Gefällen geformt und vermittelt durchaus einen mittelgebirgsartigen Charakter. Nach dieser Wanderung trat die Gruppe wieder die Heimreise an, an Wissen über die eigene Heimat reicher geworden.
Im Internet hat der Regionalpark (Vištyčio regioninis parkas) folgende Adresse: www.vistytis.lt
Julijana und Frank Gnadl
Von den Zemaitija-Wanderern
Die Fotos stammen von einer Fahrt der Zemaitija Wanderer in den Nationalpark Aukstaitija. Sie zeigen die in Litauen so weit verbreiteten Holzskulpturen, Boote beim Durchrudern
unter einer Brücke und Seen-und-Wald-Landschaft von einem Hügel aus. Dazu haben Frank und Juliana auch einen sehr detailreichen Artikel mitgeschickt, der unter der Bezeichnung ANP-voc.doc eingestellt und herunterzuladen ist.
Regionalpark Salantai in der Zemaitija
Den Regionalpark Salantai erkundeten die Naturfreunde Litauens, die „Zemaitija – Wanderer“ am 10. Okt. 2010.
Einen Bericht darüber mit einigen Photos fonden Sie in der Datei Salantai RP.
Viel Spaß beim Lesen
Galerie
Downloads
Salantai_RP (6.73 MB)ANP_-_vok. (0.03 MB)Reisetipp_Litauen (0.02 MB)