Das Paradies liegt vor der Haustür
Riedberghaus: Ort forschender Naturerfahrung für heimische und internationale Jugendgruppen – „Ein Juwel“
EchoOnline (Darmstädter Echo) 20.03.2008
Umwaldet von hohen Bäumen, steht das Naturfreundehaus Riedberg idyllisch auf einer Anhöhe hinterm Hainweg. Unterhalb des Hauses plätschert die Modau, Pferde grasen auf der benachbarten Weide. „Welches Kind wünscht sich nicht solch einen Ort?“, fragt Claudia Schulte und weist über das paradiesische Anwesen zum Wald hinaus. Sie ist als Hausmeisterin für Wanderfreunde oder Kindergruppen stets vor Ort.
Das Haus mit dem tief herabgezogenen Spitzdach gibt es seit 1929. Nach Verbot der Naturfreunde durch die Nationalsozialisten gründete sich die Ortsgruppe 1946 neu, 1949 wurde das Haus ausgebaut. Inzwischen haben die Naturfreunde Hessen, deren Jugendverband sowie die Ortsgruppe Eberstadt das malerische Areal zu einer Kinder- und Jugend-Umwelt-Bildungsstätte entwickelt. In tatkräftiger Mithilfe der Naturfreundejugend ist das Haus zum „Ökohaus in Selbstverwaltung“ geworden. Seit sieben Jahren gilt es sowohl heimischen als auch internationalen Jugendgruppen als Ort forschender Naturerfahrung.
Studentin Katrin Bayer, heute 24 Jahre alt, erinnert sich lebhaft an die neunziger Jahre, als Mitglieder der Naturfreundejugend Pfungstadt, Frankfurt und Offenbach sich während der Ferien dort einquartierten. „Wir rückten mit Farbrollen und Werkzeug an, um die Schlafstuben für Übernachtungsgäste zu sanieren“, erzählt sie. Zeitnah wurden ein großer Aufenthaltsraum und die Selbstversorgerküche modernisiert. Was nicht eigenhändig machbar war, wurde mit Hilfe anderer Jugendbildungsprojekte bewältigt. Dazu gehörte der Einbau der Betten durch Schreiner aus dem Berufsbildungswerk. Spanplatten und Linoleum als Bodenbelag wurden durch schöne Holzdielen ersetzt, die Kabel fachkundig verlegt und isoliert.
Besondere Freude am Engagement der Jugend hat von jeher Robert Florig, seit 30 Jahren Vorsitzender des Eberstädter Ortsvereins. In freundschaftlichem Austausch mit Jürgen Lamprecht, dem Landesvorsitzenden der Naturfreunde Hessen, hat der rührige Mann den Erhalt des Riedberghauses durch Höhen und Tiefen maßgeblich mitgetragen. „Ohne ihn geht nichts“, sagt Lamprecht rund heraus.
Auch, dass jetzt die energetische Sanierung ins Haus steht, ist ein Kostenfaktor, den man gemeinsam schultern will. „Nostalgie ist schön, doch derzeit blasen wir unsere knappen Einnahmen zum Schornstein hinaus“, sagt Florig. Mit Stefan Orth, Kassierer des Trägervereins, hat man eine Finanzierungslücke von 40 000 Euro errechnet, jede noch so kleine Spende ist hilfreich. „Zwar sind die Wochenenden oft ausgebucht, Eltern mit Kindern, Arbeitsgruppen und Künstler übernachten hier, doch das deckt noch nicht mal den Erhalt des Hauses“, stellt Florig klar.
„40 Naturfreundehäuser gibt es hessenweit. Unter Florigs Impulsgebung ist das Eberstädter Haus zum Juwel geworden“, sagt Lamprecht. Dieser Meinung sind auch Leo (10) und Sebastian (11), die zur Naturfreundegruppe Dreieich-Sprendlingen gehören und im Riedberghaus ein „Löwenzahnwochenende“ verlebt haben. Sie schwärmen vom Rindenschiffchenbau, von der Flussuntersuchung mit Lupenbecher und Netzen sowie von der achtwanderung. Für begleitende Lehrer oder Erzieher stehen Kisten mit Wissenskarten sowie Sägen, Feilen und Kletterseile bereit. Eine Freifläche mit Basketballkörben lädt zu Bewegungsspielen ein.
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EchoOnline (Darmstädter Echo) 20.03.2008
„2007 habe ich mit der Rentnertruppe unserer Aktiven den Waldpfad angelegt, Bezirksverwalter Achim Pfeffer und Förster Werner Schilling haben uns bei Planung und Wegsicherung handfest unterstützt“, erzählt Florig. „Unter anderem können Besucher durch einen Laubtunnel krabbeln oder eine Aussichtsplattform besteigen“, beschreibt er den erlebnisreichen Parcours. Schautafeln zu Pflanzen und einheimischen Laubbäumen bieten interessante Lehrmaterialien. Baumscheiben ermöglichen das Zählen der Jahresringe, der „soziale Wohnungsbau für Wildbienen“ gibt Einblick ins Insektenleben. „Das Bienenhaus wurde von der Kindergruppe der Naturfreunde Odenwald installiert“, freut sich Florig. „Mir wächst schon Moos auf dem Buckel“, scherzt der Naturfreund. Allein, wenn er sich was wünschen dürfte, so wäre es die stärkere Nutzung des herrlichen Areals und der vielen Veranstaltungsangebote auch durch Eberstädter Schulen, Vereine oder Kindergruppen.
Kontakt und Information:
Robert Florig, Rufnummer 06151 54288.
Charlotte Martin 20.3.2008
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