Neujahrswanderung am 1. Januar 2009
NaturFreunde Kassel e.V. mittwochs-aktiv-II
Route: Wolfsanger Hst. Am Wolfsgraben – Friedhof – Triftweg - Hasenhecke – Enkeberg – Interessentenwald Wolfsanger – Roter Kater – entlang Fulda – Tram Wolfsanger = 8 ½ km
Wanderleitung: Edel & Jochen Boczkowski
19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, 18 gewandert
Ursula Bachmann
Ladis Blechinger
Edel Boczkowski
Jochen Boczkowski
Friedrich-Karl Hüttig
Paul Klanke
Erika Neugebauer
Manfred Neugebauer
Gerhard Nuhn
Gerhard Otto
Helga Otto
Manfred Pfeil
Gudrun Ratz
Bernd Riedemann
Ingrid Riedemann
Inge Schütz
Ernst Storck
Helga Storck
Helga Waschkewitz
Das ehemalige Dorf Wolfsanger ist seit 1936 ein Stadtteil Kassels. Eine Urkunde aus dem Jahre 811 dokumentiert die Existenz von „Vulvisanger“; es ist also 100 Jahre älter als Kassel selbst. Bei einem Bombenangriff in 1943 wurde aber der dörfliche Charakter total zerstört. Die 1841 gegründete Kaltwasserheilanstalt führte dazu, dass Bad Wolfsanger mit Kurhaus und Spielkasino einige Jahrzehnte einen guten Ruf genoss. Wir passieren das Gelände der ehemaligen Ziegelei zwischen Grenzweg und Triftweg. Dort ist nach Verfüllung der ehemaligen Tongrube eine Grünanlage entstanden. Ein neues Wohnquartier entstand in den 1980-er Jahren unter Einbeziehung der Kasernengebäude auf der Hasenhecke.
Am Enkeberg erreichen wir den Interessentenwald Wolfsanger. Der Begriff Interessentenwald ist die regionale Bezeichnung für Waldbesitz, der einer Gemeinschaft zu unterschiedlichen ideellen Teilen gehört. Diese Wirtschaftsform besteht schon seit dem Mittelalter, einige der Interessentenwälder können ihren Ursprung bis ins 18. Jahrhundert nachweisen. Damals wurde jeder ansässigen Familie ein Anteil an dem gemeinsamen Wald zugeteilt. In Wolfsanger sind 114 Anteile im Besitz von Leuten, die ihren Ursprung im ehemaligen Dorf haben.
Im Wald steigen wir auf hartgefrorenen Wegen herab zur Fulda. Im Gasthaus Roter Kater wird eingekehrt. Beim Verlassen des Lokals werden wir von einer freien Mitarbeiterin der Lokalzeitung auf die Platte gebannt, sind aber nicht auf die Titelseite gekommen.
Zwischen dem auf der anderen Fuldaseite gelegenen niedersächsischen Spiekershausen und der hessischen Seite gab es bis etwa 1970 eine Fährverbindung. Der Betrieb dieser Fähre beruhte auf uralten Konzessionen, die auch Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten waren. Die Mündener Nachrichten berichten in 1928: „Wer in den letzten Jahren das im Fuldatal gelegene Dörfchen Spiekershausen und die gegenüber auf hessischer Seite liegenden drei Gastwirtschaften „Graue Katze“, „Roter Kater“ und „Waldschlösschen“ besuchen wollte, konnte feststellen. Den Verkehr zwischen hüben und drüben vermitteln drei Fährschiffe. Die Fähren Roter Kater und Waldschlösschen gegen Entgelt, während die 3. Fähre des Wirts der „Grauen Katze die Überfahrt unentgeltlich anbot. Die drei Wirte hatten früher gemeinsam eine Fähre gegen Bezahlung betrieben, waren jedoch hinsichtlich der Ausübung des Fährbetriebes in Streit geraten, und so war der geschilderte Zustand entstanden. Aus diesem Streit entwickelten sich regelrechte Feindseligkeiten. Die Gemeinde Landwehrhagen als Konzessionär der Fähre klagte daher gegen den Wirt der „Grauen Katze“ beim Landgericht Göttingen. Mit dem Ergebnis, dass er kostenpflichtig zur Unterlassung des Anlegens an der von der Gemeinde erbauten Treppe verurteilt wurde und seinen Fährbetrieb einstellen musste.“
Im Bereich Roter Kater hat sich auf der Fulda eine geschlossene Eisdecke gebildet. Die Verse
Gefroren hat es heuer noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher und spricht zu sich ganz leis:
Ich will es einmal wagen, das Eis es muss doch tragen.
Wer weiß ! . . . . . .
kommen uns in den Sinn, weil am anderen Ufer ein Kind erste Schritte in Ufernähe macht. Aufregung umsonst.
Nach 3 ½ km fuldaaufwärts sind wir wieder in Wolfsanger. Der Neujahrsauftakt ist gelungen.
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