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Internationaler Frauentag - Ein Leben für die Frauenrechte

Frankfurter Rundschau
Offenbach - 8 | 3 | 2011
Internationaler Frauentag
Ein Leben für die Frauenrechte
Lore Ringwald und ihr Buch über Vorkämpferinnen. Foto: Michael Schick
Von Madeleine Reckmann
Bei uns wird zweimal der internationale Frauentag gefeiert – einmal öffentlich und einmal privat.“ Dieser Spruch macht seit Jahren in Lore Ringwalds Familie die Runde, denn Lore Ringwald hat am 8. März Geburtstag. In den 70er und 80er Jahren besucht die damalige SPD-Stadtverordnete daher manchmal an ihrem Geburtstag tagsüber Frauencafés oder Frauentreffs, und feiert erst abends zu Hause. Denn Ringwald verschreibt ihr politisches Engagement den Frauenrechten. Heute wird sie 82 Jahre alt.
Ob ihr Engagement vom Geburtstagsdatum herrühre – auf solch eine simple Erklärung lässt sich die alte Dame nicht ein. „Das war einfach notwendig, nach der Nazizeit mit ihrem falschen Frauen- und Mutterbild“, sagt sie schnörkellos in ihrem leicht schwäbischen Akzent. Aufgewachsen ist sie nämlich im württembergischen Weinsberg und kommt 1960 mit ihrem Mann Rolf Ringwald, dem späteren Leiter der Offenbacher Volkshochschule, an den Main.
Lore Ringwald tritt in die SPD ein und beginnt Mitte der 60er Jahre ihre politische Arbeit. Da ist sie Mitte 30. Ihre beiden Kinder besuchen die Grundschule. Von 1968 bis 1997 ist sie Stadtverordnete. Sie engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, arbeitet 20 Jahre im Vorstand und ist sieben Jahre dessen Vorsitzende.
Für ein modernes Eherecht
Sie kämpft in den 60er und 70er Jahren für eine Reform des Ehe- und Scheidungsrechts, für das Recht auf Berufstätigkeit der Frau und für Gleichberechtigung in der eigenen Partei. Sie sammelt auf dem Marktplatz Unterschriften für eine Änderung des Abtreibungsrechts. Tausend Menschen hätten da an einem Samstagvormittag unterschrieben. Darauf ist sie heute noch stolz. „Die ,Engelmacherei’ musste doch aufhören“, sagt sie. Einige Flugblätter aus der Zeit besitzt sie noch heute.
Die war reif nach der bleiernen Adenauerzeit, sagt sie im Rückblick. Es roch nach Aufbruch, „eine unbeschreiblich optimistische Stimmung. Da haben wir die Dinge angepackt – ich war ja nicht allein.“ Welch ein Triumph, als unter Willy Brandt endlich mehr Frauen Bundesministerposten bekommen, später auch Justizministerinnen werden. „Endlich machten nicht mehr nur Männer Gesetze für Frauen“, sagt sie. Ein tief empfundenes Gefühl für Gerechtigkeit treibt sie in ihrer Arbeit an. Als Emanze empfinde sie sich aber nicht, setzt sie hinzu. „Dazu war meine Ehe viel zu glücklich.“
Den Aufbruch nach der Nazizeit erfährt sie bei der Naturfreundejugend, in die sie nach dem Zweiten Weltkrieg eintritt. Dort schnuppert sie Freiheit und Gleichberechtigung unter Männern und Frauen. „Das war die Grundlage“, sagt sie. Dort lernt sie auch ihren Mann kennen.
Ebenfalls seit Kriegsende begleitet sie eine Sammlung von Frauenbiografien, die Anna Siemsen unter dem Titel „Der Weg ins Freie“ veröffentlichte. „Allein dieser Titel ist so schön“, sagt Ringwald. Das beflügelt ihre Neugier nach Lebensgeschichten von Frauen, die sie immer wieder erstaunen lassen – darüber, wie viel Frauen schon immer leisteten. Den Weg gewiesen habe ihre Mutter – „eine einfache und starke Frauen, die tat, was getan werden musste“, erzählt Ringwald. Dazu gehörte auch, Zwangsarbeiter im Krieg mit Essen und Kleidung zu versorgen, einfach so. Sie habe eine freiheitliche Erziehung genossen. Nur eines habe geschmerzt: Dass sie nicht die höhere Schule besuchen durfte, weil die Eltern wenig Geld hatten und meinten, für ein Mädchen sei der Aufwand unnötig. Gerne hätte sie Abitur oder Mittlere Reife gemacht.
Lange gehört Ringwald zu einer andersdenkenden Minderheit. Ihre Forderungen werden erst nach und nach mehrheitsfähig. Darauf ist sie heute stolz. „Es war eine spannende Zeit“, sagt sie, und ihre Augen leuchten dabei. Viel sei erreicht worden, fasst die agile Frau zusammen. Ganz zufrieden könnten die Frauen aber noch nicht sein. Ihre Botschaft an junge Frauen lautet deshalb: Weiterkämpfen.
Artikel URL: www.fr-online.de/rhein-main/offenbach/ein-leben-fuer-die-frauenrechte/-
/1472856/7770984/-/index.html

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