Neue Perspektiven für Sport im Wald – zwölf Thesen
Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde,
wir bitten um Beachtung der beigefügten Thesen des Kuratoriums Sport und Natur, dessen Mitglied wir sind.
Mit freundlichen Grüßen,
Hans-Gerd Marian
NaturFreunde Deutschlands
Bundesgeschäftsführer
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Neue Perspektiven für Sport im Wald – zwölf Thesen
2.
1.
Sport im Wald wird immer wichtiger Freizeit und sportliche Erholung gewinnen in unserer Gesellschaft an Bedeutung. Häufig im Wald betriebene Sportarten wie z.B. Wandern, Jogging, Skilanglaufen, Radfahren, Reiten oder Orientierungslauf erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Vor allem durch die zuneh-mende Urbanisierung wird der Wald als Ort der Erholung immer wichtiger, denn viele Men-schen finden im Wald die Möglichkeit, der Enge und Hektik in den Städten zu entfliehen, um sich beim Sport zu entspannen.
Sport im Wald ist besonders gesund Sportliche Betätigung im Wald steigert das Wohlbefinden und fördert die körperliche und mentale Gesundheit. Sport im Wald verbindet die selbstbestimmte körperliche Bewegung mit der charakteristischen sinnlichen Erfahrung des Waldaufenthalts. Im Wald finden Sport-aktive gesunde Luft, Ruhe und ein angenehmes Mikroklima. Sport im Wald heißt Naturer-fahrung mit allen Sinnen und ist Kurzurlaub vom Stress des Alltags.
3.
Sport im Wald braucht naturnahe Forste Die für sportliche Erholung im Wald ausschlaggebende „waldtypische Atmosphäre“ entfal-tet sich vor allem in einem strukturreichen, nach ökologischen Prinzipien gestalteten Mischwald. Artenarme Baumbestände werden nicht nur von den Erholungsuchenden als öde empfunden – solche Monokulturen sind im Übrigen auch besonders bedroht durch In-sektenbefall und Windbruch.
4.
Sport im Wald achtet die Belange des Naturschutzes Wälder sind die am höchsten entwickelten Ökosysteme in Europa. Nach wie vor bedeckt der Wald rund 31 Prozent der Fläche Deutschlands. Die Wälder bilden den bedeutendsten Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Die Zahl der Tierarten und ihre Individuendichte sind im Wald größer als in jedem anderen terrestrischen Lebensraum. Von den über 260 Brutvogelarten in Deutschland sind fast 50 Prozent an den Wald gebunden. Die günstigen Einflüsse der Wälder auf Boden, Wasser, Luft und Klima sind unverzichtbar. Verantwortungsvolle Sportlerinnen und Sportler stellen sicher, dass sie den Wald nicht schädigen.
5.
Sport im Wald – im Einklang mit einer ökologisch nachhaltigen Forstwirtschaft Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur zeigen, dass die langfristig angestrebten struktur-reichen Wälder immer noch die Ausnahme sind. Der Wald von morgen orientiert sich am Leitbild der ursprünglichen Laubmischwälder. Dieser „Zukunftswald“ setzt sich aus gezielt kultivierten Baumkollektiven zusammen und ist seiner Strukturvielfalt sowie des Artenreich-tums wegen auch von großem Erholungswert. Die Bewirtschaftung erfolgt durch ein Sys-tem von Forststraßen und -wegen, die auch sportlich genutzt werden können.
6.
Sport im Wald hat Verständnis für Waldbesitzer und Waldbewirtschafter Der Wald ist auch Produktionsstätte für den Rohstoff Holz. Jeder Wald hat einen Eigentü-mer: das Bundesland, die Gemeinde oder einen Privatbesitzer, dessen Existenz vom Ver-kauf des Holzes abhängen kann. Sportler haben Verständnis für die Bedürfnisse der Wald-besitzer bei der Bewirtschaftung und vermeiden Konflikte.
8.
7.
Sport im Wald muss mancherorts gelenkt werden In stark frequentierten Gebieten und ökologisch sensiblen Bereichen bedarf es eines gut geplanten Streckennetzes. Übereinkünfte zwischen Sport, Naturschutz, Forstwirtschaft und Jagd über nachvollziehbare notwendige räumliche und zeitliche Lenkungsmaßnahmen be-rücksichtigen die Interessen aller Beteiligten und vermeiden Konflikte – auch zwischen den Erholungsuchenden. Eine deutliche Markierung der Strecken erleichtert die Orientierung. Die Vereine sind in die Planung und Pflege dieser Strecken einzubeziehen.
Sport im Wald hat Rechte und Pflichten Das grundlegende Recht, zum Zwecke der Erholung den Wald zu betreten, umfasst alle Ar-ten des natur- und landschaftsverträglichen Sports. Sportlerinnen und Sportler halten sich an Regelungen, die für die Sicherheit, den Naturschutz oder die Waldbewirtschaftung not-wendig und rechtens sind. Sport im Wald ist mit spezifischen Risiken verbunden. Die Akti-ven müssen sich bewusst sein, dass sie ihren Sport im Wald auf eigene Gefahr ausüben.
9.
Sport im Wald schafft menschliche Nähe Zumeist wird Sport im Wald in kleinen Gruppen betrieben. Aber auch vereinsorganisierte Lauftreffs, Technikschulungen im Mountain Biking, geführte Ausritte und Tageswanderungen sind aus dem Freizeitsport in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Diese Angebote werden von Menschen aller Altersgruppen wahrgenommen. Sie tragen in unserer von Vereinzelung und Individualisierung geprägten Gesellschaft zum sozialen Zusammenhalt bei – Sport ist ein Kitt unserer Gesellschaft. Für viele Menschen aller Altersgruppen ist das Erleben der Ge-meinschaft mindestens so wichtig wie die gesundheitliche Wirkung des Sports in der Natur.
10.
Sport im Wald ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor In vielen deutschen Feriengebieten sind im Wald betriebene Sportarten selbstverständliche Bestandteile der touristischen Angebotspalette. Die entsprechenden zahlungskräftigen Zielgruppen werden von ausländischen Anbietern besonders beworben. Dabei verfügen die Ferienregionen hierzulande über ein vergleichbares Natursportpotential wie die erfolgrei-chen ausländischen Gebiete! Ein adäquates Natursportangebot in Deutschland stärkt den heimischen Tourismus als bedeutenden Wirtschaftszweig mit zahlreichen Arbeitsplätzen und verhindert unnötigen Reiseverkehr.
11.
Sport im Wald muss unentgeltlich bleiben Das Bundeswaldgesetz sowie die Waldgesetze der meisten Bundesländer stellen die Erho-lungsfunktion des Waldes auf eine Ebene mit der Funktion des Schutzes und der Funktion des wirtschaftlichen Nutzens. Damit ist die Erholung im Wald ein unveräußerliches Recht je-des und jeder Einzelnen, dessen Wahrnehmung nicht in Rechnung gestellt werden kann. Die Erhebung von Gebühren für die Ausübung von Sport im Wald wäre nicht nur sport- und ge-sundheitspolitisch kontraproduktiv, sondern auch schädlich für den Tourismus in Deutschland.
12.
Der Wald braucht engagierte Natursportverbände Die Natursportverbände sind dem natur- und landschaftsverträglichen Sport verpflichtet und haben für alle im Wald praktizierten Disziplinen erfolgreiche Lenkungskonzepte entwickelt. Diese ermöglichen eine angemessene Sportausübung und gewährleisten dabei den Schutz von Natur und Landschaft sowie die Wahrung berechtigter Interessen von Waldbesitzern und Jägern. Die Natursportverbände erwarten eine frühzeitige Beteiligung an allen Verfah-ren, Planungen und Maßnahmen, die mit Sport im Wald zu tun haben, und bieten ihre kompetente und partnerschaftliche Mitwirkung an.
Frankfurt a.M. und München, 16. Februar 2011